Zurueck zum Herzen Moellbarth Bruidhnea - Ein Name schreibt Geschichte
von Thile Molsberg - Allerlei Kunde - Dhanndhcaer
 
 
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Der Name des Königs - Möllbarth besteigt den Thron - Zwei Seiten einer Münze - Das Jahr 500: Wider die Mythanen - Städte zweier Völker - Ein Aufstand für den frommen König - Martells Nachfahren - Das Jahr 798 - Flucht und Vertreibung - Möllbarth und die Mythanen

Das Jahr 1016 nach der Erbauung von Kreos bringt Unruhe nach Clanthon. Die thuathische Überlieferung beklagt den Tod des ruhmreichen Hochkönigs: Dyffedd stirbt und Bruidhnea, Verwandter aus einer Nebenlinie, bemächtigt sich im Handstreich des Thrones. Er bricht mit den alten Sitten und versucht, viele Städte und Landstriche umzubenennen."
    Die clanthonische Geschichtsschreibung unserer Zeit vermeldet dagegen: Dyffedd stirbt kinderlos, sein Vetter Möllbarth erbt den Thron. Es kommt zu vermehrten Grenzzwischenfällen zwischen Thuatha und Clanthoniern."

Es ist bekannt, daß die Überlieferungen der beiden Völker nur schwer in Übereinstimmung zu bringen sind. Von den verschiedenen Traditionen des Reiches Clanthon vor der Finsternis hat vor allem die thuathische überlebt. Die Tradition, auf die sich das neue Clanthon beruft, und die erkennbar auch gothorische Wurzeln hat, findet in diesem Bild nur schwer einen Platz.
    Unbestritten ist, daß mit den Namen Möllbarth und Bruidhnea ein und derselbe Mann bezeichnet wird: für die Thuatha ist er ein Thronräuber, für die Clanthonier der rechtmäßige Thronerbe. Diese verschiedene Bewertung seines Handelns führt uns zu der Erkenntnis, daß der neue König von 1016 vor allem den Beifall der Gothori fand (und noch findet), die heutzutage mit Reichs- und Volksnamen an die Tradition des alten Clanthon anknüpfen und sich sprachlich eindeutig von den Thuatha unterscheiden.
    Jedoch, die Frage ist erlaubt: Ist König Möllbarth gothorischer Herkunft? Sicher, er spricht die Sprache der heutigen Clanthonier, aber wer - außer ihm selber - kann bezeugen, daß er nicht in Wirklichkeit ein thuathischer Edler ist, der sich in Sprache und Sitten den Gothori anglich, um mit ihrer Hilfe den Thron zu erringen?

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Der Name des Königs

Sein Name kann weiterhelfen: "Möllbarth" ist ein Name gothorischer Herkunft. Die Annahme, daß einem Edlen und Herrscher ein geeigneter Name verliehen werden muß, führt zu den Wurzeln "molt" (Erde, Boden) und "bærde" (begrifflich: Wesen). "Erd-Wesen", in der Umschreibung "Der dem Land verbunden ist", ist eine angemessene Deutung, um so bedeutungsvoller, wenn man den Ursprung des clanthonischen Reiches betrachtet, der im Widerstand der diesseitigen Menschen gegen die außenseitigen Mythanen fußt. Möllbarths Name ist also ein" guter" Königsname, passend für den edel geborenen Nachkommen.

"Bruidhnea" ist thuathischen Ursprungs, doch schwer zu deuten, denn außerhalb der druidischen Überlieferung sind die Mundarten der Thuatha nur wenig der Vergangenheit verhaftet; sie verändern sich ständig.
    Klangliche Ähnlichkeiten führen zu den Begriffen "Braidann" (Verstand), "Breide(a)dd" (Gesetz, Barde) und "Bruada" (Sicht, übertragen: Kenntnis, Vorausschau) - alles Begriffe, die ohne Schwierigkeit in einen herrscherlichen Zusammenhang gestellt werden können.
    Die Nachsilbe "-nea" gibt ein größeres Rätsel auf. Im vorliegenden Zusammenhang gesehen, ist "Nai" (NachfolgerIn) die mögliche Wurzel. Das ergäbe in der Umschreibung die Bedeutung "Weiser Nachfolger" - Seher hätten den Eltern zu einem anderen Namen geraten, wenn es ein Geburtsname gewesen wäre.

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Möllbarth besteigt den Thron

Das Jahr 1016: Der edel geborene Möllbarth besteigt den verwaisten Thron. Die Thronfolgerin Gwynneida ist drei Jahre zuvor verschwunden: "spurlos" für die gothorische Partei, "unter geheimnisvollen Umständen" für das Lager der Thuatha. Für die Mehrheit der Thuatha ist Möllbarth ein Thronräuber, dem insgeheim sogar vorgeworfen wird, Dyffedds Nichte zum eigenen Vorteil beseitigt zu haben. Diesen aufgebrachten Thuatha ist der neue König gewiß kein "weiser Nachfolger"; den Namen hat ihm die eigene Seite verliehen.
    Es erscheinen zahlreiche gothorische Sippen an König Möllbarths Seite, die so treu zu ihm stehen, daß ihm 29 Jahre später fünf Dutzend ihrer Großen folgen, als er in den Schlaf des mythanischen Glasbergs flieht (1045), aus dem er erst im Jahr 23 nach der Finsternis erwacht (er schlief also 828 oder gar 1028 Jahre, jenachdem, welche Dauer man der Finsternis auf Ageniron zumißt, wenn das überhaupt möglich ist).
    Alle bisher gewonnenen Erkenntnisse sagen nichts darüber aus, welchem Volk Möllbarth entstammt. Es ist lediglich nachvollziehbar, daß der Mann Möllbarth den Beinamen Bruidhnea annahm.

Die thuathische Überlieferung nennt Bruidhnea einen "Verwandten aus einer Nebenlinie", andere Quellen sprechen von einer "königlichen Nebenlinie". Die Königsliste des neuen Clanthon vermerkt Dyffedds Kinderlosigkeit, "wodurch sein Vetter Möllbarth, ein Enkel Karls II., an die Macht kommt."
    Die clanthonische Königsliste sieht in Karl II., dem kein thuathischer Name beigegeben wird, den Großvater Möllbarths, aber auch den Dyffedds, denn die Liste verzeichnet, wenn keine Ausnahmen angegeben werden, jeweils das älteste lebende Kind als Thronfolger. Karl dem Zweiten folgt Thaddäus (ohne thuathischen Namen), der Vater von Dyffedd war - jener muß ohne gothorischen Namen auskommen, erhält aber den Beinamen "der Große". Möllbarths Vater wird in dieser Liste nicht verzeichnet.
    Dyffedd wird von allen Thuatha als einer der ihren betrachtet: wenn er und Bruidhnea verwandt sind, Möllbarth gar sein Vetter ist, dann müßte es sich bei König Möllbarth, wie er in Peutin sitzt, um einen Thuatha handeln - das wirft ein schlechtes Licht auf die clanthonische Königsliste. Die thuathische Überlieferung schweigt sich über Dyffedds Herkunft aus. Es wird für das Jahr 980 berichtet: "In Dhanndhcaer besteigt Mawrrigh Dyffedd den Thron." In Dhanndhcaer, nicht in Tandor - der Widerstreit der räumlich klar zu unterscheidenden Herrschersitze begleitet Clanthons Geschichte über mehr als fünf Jahrhunderte. Jedoch hätte ein gothorischer Herrscher sicherlich in Tandor seinen Sitz genommen.
    Dyffedd stellt die Macht des 798 durch die Bolghinn erstmals ausgerufenen, thuathisch regierten Clanthon wieder her und vergrößert sie 1005 bis 1007 durch die Eroberung von Moiné. Es wird deutlich, daß Dyffedd an thuathische Traditionen anknüpft; trotzdem nennt ihn die thuathische Überlieferung einen Verwandten Möllbarths. Das mag er gewesen sein, aber ein Vetter Möllbarths im ersten Grad war er sicherlich nicht.

Ein Ausweg tut sich auf, wenn man annimmt, daß die Herrscherin, die in der clanthonischen Königsliste Magdalene (Regierungszeit 913-944) genannt wird, eine Bolghinn war, die letzte der Bolghinn-Linie, die 798 die Herrschaft über ganz Clanthon gewann. Sie nimmt Karl, einen Gothori, zum Mann, der nach ihrem Tod zehn Jahre bis 954 regiert. Ihre Nachkommen sind Thaddäus (954-980 auf dem Thron, wahrscheinlich kinderlos geblieben) und mindestens ein weiteres Kind, das ein Elternteil Möllbarths sein wird - dieser erhält auf diesem Wege zumindest ein Viertel Bolghinn-Blut.
    Die Verwandtschaft Dyffedds mit Möllbarth muß keine direkte Blutsverwandtschaft sein: er kann nächstens ein Großneffe Magdalenes sein und sich auf Bolghinn-Seite mit Möllbarth dieselben Vorfahren teilen. Von Magdalene ausgehend steht Möllbarth dem Thron somit näher als Dyffedd. Trotzdem wird Dyffedds Thronbesteigung unter den Thuatha als gerechtfertigt betrachtet, weil er die Herrscherlinie des Bolghinn-Clanthon wieder aufleben läßt, nachdem sich seit der Regentschaft Karls ein Wiederaufleben des Gothori-Clanthon abzeichnet, das Mitte des 7. Jahrhunderts vor den erstarkenden Bolghinn zurückwich und dessen Herrscherlinie 798 mit König Gero verging (dazu siehe weiter unten).
    Dyffedds Schicksal war es, in 36 Jahren auf dem Thron keinen direkten Nachfolger hervorgebracht zu haben; das Verschwinden der Nichte Gwynneida (die in der Longotenzeit mit der Weißen Königin Eleanor gleichgesetzt wird) führt dazu, daß Dyffedd ein unbestelltes Haus zurückläßt und Möllbarth nach seinem Onkel Thaddäus als nächster Gothori König werden kann.
    Nach dieser Darstellung ist Möllbarth zwar kein Thronräuber, doch aber bei den Thuatha ein ungeliebter Nachfolger. Dieser Umstand, seine unglückliche Kriegsführung der kommenden Jahre und nicht zuletzt elf Jahre Regentschaft von Gnaden der Besatzer aus Huanaca (1021-1032) haben ihn bei den Thuatha verhaßt gemacht, so sehr, daß fünf Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte in nur 16 Jahren seiner Herrschaft zunichte wurden - diese Scherben wieder zusammenzufügen, wird mindestens ebenso lange dauern.

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Zwei Seiten einer Münze

Sowohl die gothorische als auch die thuathische Überlieferung könnten jede für sich stehen; beide erwecken den Eindruck, als sei die jeweils andere unbedeutend oder gar falsch, wobei auffällt, daß auf gothorischer Seite die Zählung der Jahre so dicht aufgefüllt wird, daß für einstmals vorhandene thuathische Anteile kein Platz bleibt - den Mythanenkrieg und Dyffedd ausgenommen - , während die Erzählungen der Thuatha so lückenhaft sind, daß der Eindruck entsteht, hier sei alles Gothorische entfernt worden, ohne etwas hinzuzudichten. Der kundige Geist verspürt also stets eine bohrende Unzufriedenheit: er sieht die Punkte, an denen sich beide treffen und unterscheiden und denkt weiter.
    Dyffedd und Möllbarth habe ich bereits betrachtet. Wichtig ist auch, daß es in beiden Fällen um das gleiche Land Clanthon geht - der Versuch, die Geschichte des eigenen Volkes ohne die Tradition des anderen zu beschreiben, muß wohl darauf zurückgeführt werden, daß der Kampf um die Vorherrschaft in Clanthon nicht erst in Dyffedds Zeit begann - das wird auch durch die Lücken der thuathischen Überlieferung bestätigt.
    Damit die Vorstellung eines solchen Kampfes aber überhaupt Sinn macht, muß belegt werden, daß beide Völker in Clanthons Grenzen lebten, denn es steht auch die Meinung im Raum, daß die Gothori erst mit dem Erstarken im Gebiet Eisatnahps, das durch die Thronbesteigung Sigurs im Jahre 951 gekrönt wurde, nach Clanthon greifen konnten. Nach dieser Ansicht wäre die gothorische Geschichte Clanthons eine sehr junge und nahezu alle Auskünfte der clanthonischen Geschichtsschreibung frei erfunden.

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Das Jahr 500: Wider die Mythanen

Martells Thron

Gothori und Thuatha besiedelten das von vergessenen Völkern und den illyäischen Stämmen bewohnte Ageniron in der nicht mehr faßbaren Vorgeschichte. Es dauerte viele Jahrhunderte, bis sie sich zu den uns heute noch namentlich bekannten Stammesverbänden zusammenfanden.
    Für das Jahr 500 lassen sich Übereinstimmungen feststellen: Die Stämme beider Völker (sechs thuathische und zwölf gothorische Verbände) sind erstmals auch namentlich erkennbar; sie schließen sich zusammen, um die Herrschaft der Mythanen über Ageniron zu brechen. Es bildeten sich also die thuathischen Stämme, "die bei der Vertreibung der Mythanen halfen", wird gesagt. In heutigen Begriffen besiedelten sie "Tir Thuatha, Clanthon und Erainn außer dem norlichen Laighainn". Fürsten regieren die Stämme, die Anfänge des Stammeskönigtums werden erkennbar.
    Für die thuathische Überlieferung ist die Vertreibung der Mythanen und der ihnen untertanen Völker um 505 beendet. Das ist zutreffend, soweit es das thuathische Siedlungsgebiet betrifft, doch der Krieg endete erst im Jahre 595 mit dem Fall von Kreos, und daran hatten die Thuatha mit Sicherheit Anteil - in diesem Jahr wird auch Tir Albghainn vom Meer verschlungen, was von Kundigen als Auswirkung zauberischer Mittel gedeutet wird, die vor Kreos eingesetzt wurden.
    Das Jahr 500 aus gothorischer Sicht: "Die gothorischen Stämme werden vom ersten König Martell geeint, das Reich Clanthon wird gegründet. Die Clanthonen, wie sich die Gothori nun nennen", schwören, das Zauberreich zu vernichten, und verbünden sich mit den Thuatha. 512 wird Eisatnahp befreit; 595 enden die Feldzüge mit dem Fall von Kreos.
    Diese Gothori nun, versammelt in zwölf Stammesverbänden, siedelten ihrer Überlieferung nach im Gebiet der späteren Reiche Eisatnahp, Clanthon und Moiné. Somit war nicht nur der Krieg gegen die Mythanen eine gemeinsame Angelegenheit, sondern man teilte sich auch in die bewohnbaren Länder.

Der Kriegsherr und Reichsgründer Martell war vor seiner Erhebung zum König wahrscheinlich der Fürst eines der vielen gothorischen Stämme. Jene, die unter dem Druck der Bolghinn bis Mitte des 7. Jahrhunderts ihren Schwerpunkt nach Eisatnahp verlegten, wo sie 300 Jahre später, nach der Schwächung des clanthonischen Königtums, ein eigenes Reich errichten konnten, werden nicht als Clanthonen bezeichnet worden sein. Denkbar ist, daß die Clanthonen ein mächtiges Stämmebündnis darstellten, undenkbar jedoch, daß die Ausrufung eines eigenen Reiches ohne Duldung und Mitwirkung der Bolghinn und anderer Thuatha hätte erfolgen können, die mit den Gothori Clanthons das Siedlungsgebiet teilten.
    Es wird eine gemeinsame Geschichte beider Völker greifbar, mit dem ersten Höhepunkt im Jahre 500, wo eine Reichsgründung sichtbar wird, von der wir nur wissen, daß die gothorische Überlieferung darin bereits Clanthon erkennt, während die Bolghinn Clanthon erst 798 ausrufen - läßt man beides gelten, erhoben die Bolghinn damit den Anspruch, Nachfolger des Reiches von 500 zu sein.
    Im Dunkeln bleibt die Herkunft des Reichsnamens. Die Herleitung des Namens "Clanthon" vom Stammesnamen der Clanthonen erweckt den Eindruck, diese hätten bei allem, was zu den Ereignissen des Jahres 500 führte, die alleinige Führerschaft innegehabt. Wie ich oben dargelegt habe, ist das kaum glaubhaft. Ich vermute vielmehr, daß die Clanthonen kein eigener Stamm, sondern ein Bündnis mehrerer Gothori- und Thuathastämme waren. Der Begriff "Clanthon" hat wahrscheinlich weniger geschichtliche, als mehr mythische Herkunft und Bedeutung. Der Begriff taugte als Ausdruck des gemeinsamen Ziels: Beseitigung der Fremdherrschaft, Errichtung eines eigenen Reiches.
    Die Leistung der sagenhaften Reichsgründung allein der gothorischen Seite zuzuschlagen, läßt sich als eine später zu datierende Bemühung erkennen, verständlich für eine Zeit, als Gothori danach trachten, alleine in Clanthon zu herrschen, nachdem die Bolghinn ihnen das vorgemacht hatten.

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Städte zweier Völker

Zwar wird angenommen, daß die später Dhanndhcaer und Tandor benannten Siedlungen schon um 400 herum gegründet wurden, doch als erste eigenständige thuathische Stadtgründung wird Gwallcaer (420) in Tir Dannanain angegeben, außerhalb Clanthons, im Gebiet jenes Stammes, der heute wegen seiner scheinbaren Rückständigkeit manchmal scheel angesehen wird.
    Für 505 wird gesagt: "erste urkundliche Erwähnung eines Königspalastes an der Stelle der späteren Stadt Dhanndhcaer". Zumindest die Bolghinn waren bereits damals in Berührung mit Schriftkultur ("urkundliche Erwähnung") gekommen - eine für Thuatha unübliche Angelegenheit, die jedoch erklärbar wird, wenn man bedenkt, daß die im Süd und Mir siedelnden Gothori diese Kunst durch die Berührung mit der illyäischen Kultur erlernt und in den Nor gebracht haben können. Von sich aus würde kein (heute lebender) Thuatha dem Buchstaben mehr Vertrauen schenken als dem Wort.
    Zum zweiten erfahren wir, daß der namentlich nicht genannte Bolghinnfürst einen Herrschersitz wählte, drittens aber auch, daß der Ausbau des Fleckens zur Stadt erst später erfolgte - möglicherweise in Konkurrenz zu Tandor, das 545 zur Stadt wurde.
    Die erste gothorische Stadtgründung in Clanthon nach 500 ist Ahnarab (555) im heutigen Tir Laighainn/Lambar - eine Tat der Kimburen. Diese Nachricht nennt bereits für diese frühe Zeit Gothori, die Macht und Rechte in Clanthon für sich in Anspruch nehmen, ohne daß gleichzeitig von Krieg oder Eroberung gesprochen wird. Die nächste vergleichbare Leistung der Thuatha ist die Errichtung von Rhyallis im Jahre 630 - wiederum in Tir Dannanain.
    Wichtige Siedlungsgründungen, an denen Thuatha zumindest großen Anteil hatten, sind Dinas Forcy (690) und Etolia (710) - beide im späteren Moiné gelegen. Alle weiteren Gründungen erfolgten erst nach dem Zusammenbruch Clanthons und seiner Wiederherstellung in Gestalt von Tir Thuatha, als die Gothori in diesem Teil Agenirons keine Rolle mehr spielten.

Noch vor Ahnarab (555) ist Tandor im Jahre 545 die erste gothorische Stadtgründung in Ageniron. Nach Ahnarab wird nur noch Armingstein (781) erwähnt, allerdings im späteren Eisatnahp gelegen. Somit müssen viele Darstellungen, die Gothori der Vor-Finsternis seien ihren thuathischen Nachbarn kulturell überlegen gewesen und hätten als gebildete Herrscherklasse über ein ansonsten vorzeitliches Volk regiert, angezweifelt oder als Stimmungsmache der Machthungrigen angesehen werden.
    Die thuathische Kultur war schon früh in der Lage - allen Überresten von Rohheit zum Trotz - eigenständige Ausprägungen zu entwickeln. Dagegen ist es schwer, eigenständige gothorische Anteile der gemeinsamen Vergangenheit auszumachen, von Sprache und Schrift einmal abgesehen. Selbst nahezu ungebrochene Traditionen wie im heutigen Rest des alten Calan sind ausschließlich Abbilder einer gemeinsamen Entwicklung, die sowohl Nebeneinander als auch Vermischung hervorbringt.
    Ein Fehler der gothorischen Überlieferung ist die Datierung des Untergangs von Alba auf das Jahr 545, derweil alle anderen Quellen von 595 sprechen. Das könnte als Schreibfehler betrachtet werden, wenn nicht ausdrücklich davon gesprochen würde, daß Martell II. (König von 545 bis 562) die darauf ausbrechenden Streitigkeiten zwischen Clanthonen und Thuatha durch einen Feldzug beendet - im Jahr 595 hätte er das als bereits Verstorbener nicht tun können.
    In einem Jahr der Erdbeben und Flutwellen soll die Küstensiedlung (!) Tandor zur Stadt ausgebaut worden sein - das wäre die Folgerung, wenn die Datierung 545 zuträfe. Ich neige dazu, die Vielzahl der Quellen, die das Jahr 595 nennen, als richtig anzuerkennen, zumal mit Tir Albghainn ein thuathisches Stammkönigreich unterging - warum sollte ein Volk eines der wichtigsten und schlimmsten Jahre seiner Geschichte verlegen? Die agenirischen Küstenstädte nahmen im Jahre 595 so großen Schaden (siehe auch beim Jahr 505 den Hinweis auf die "spätere" Stadt Dhanndhcaer), daß sie alle ihre spätere Gestalt erst im 7. Jahrhundert gezeigt haben dürften.
    Ich gehe dennoch davon aus, daß Martell II., den die Königsliste den "Frommen" nennt, im Jahr seiner Krönung die Siedlung Tandor zur Stadt erhob. Doch selbst wenn dort größere Bautätigkeit stattgefunden haben sollte: die Beben und Flutwellen, die Albas Untergang begleiteten, werden 50 Jahre später viel davon vernichtet haben.

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Ein Aufstand für den frommen König

Ueber Martell II. wird nicht viel gesagt: die großen Schlachten der Befreiungszeit fanden vor seiner Geburt statt, die letzten Schläge gegen die Mythanen nach seinem Tod. Er zeugte spät; seine Gemahlin Gundula (die Liste gibt ihr den Adelsnamen "von Moine" - vielleicht eine spätere Änderung, um die Herkunft einer moinéischen Gothorisippe zu überhöhen) war imstande, sechs Jahre als Regentin für den unmündigen Sohn Otto (geboren 553) zu wirken. Dazu bedurfte sie nicht einmal besonderer Macht: Clanthon war befriedet, ständige Kämpfe gab es nur in Illyion, wenn man von Stammesfehden absehen will. Wieso soll dieser Martell also einen Aufruhr niedergeschlagen haben, der zu seiner Zeit gar nicht stattgefunden haben kann?

Haben wir es nur mit einem unkundigen Schreiber oder mit dem Versuch zu tun, den Herrscher dieser Jahre aufzuwerten? Ich vermute letzteres. Der unbedeutende zweite Martell, dessen Beinamen ihn eher als Mann des Gedankens denn als ruhmreichen Kriegsherren erscheinen läßt, hat nie eine bedeutende Schlacht geschlagen, also schrieb man ihm eine zu. Die Flüchtlingswirren des Jahres 595, die wirklich jede Vorstellung übertroffen haben müssen, kamen mangels anderer Feinde gerade recht: da trotzt der fromme König nicht nur den Massen, sondern auch den Naturgewalten - das Tandor dieses Mannes kann nur glanzvoll gewesen sein!
    Unverständlich bleibt, wieso die Fälscher nicht den Herrscher des Jahres 595 mit Glanz versahen. Diesem Unglücklichen (nach der Liste der Enkel des frommen Martell, Otto II.) fiel es zu, die Unruhen zu bändigen und die Städte wieder aufzubauen. Ich kann nur vermuten, daß der einfältige Gedanke dahinter stand, daß eine Fälschung um so eindrucksvoller wirkt, je weiter sie in die Geschichte ausgreift - zumal es hier darum ging, den Gründer jener Hauptstadt zu überhöhen, die in der Hauptsache von gothorischen Herrschern als Sitz der Macht gewählt wurde.

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Martells Nachfahren

Martells fernere Nachfahren regieren ihr Reich, ohne daß größere Umwälzungen den Frieden dauerhaft gestört hätten. Mehr Mühe machte ihnen die Schwächung ihrer Sippe.
    Mit 50 Jahren Regierungszeit von 649 bis 699 wird in der clanthonischen Königsliste Agnes die Langlebige angegeben, die die Krone gleich an ihren Enkel weitergab. In diese Zeit fällt der Angriff der Bolghinn auf die Cladhinn, die im geschichtsträchtigen Kessel von Sengor lebten. Noch im selben Jahr, 685, nennt sich der Bolghinnfürst "Hochkönig von Tir Bolghainn und Tir Cladhainn" und erhebt Anspruch auf Tandor, muß aber vorerst noch mit Dhanndhcaer Vorlieb nehmen - die Überlieferung, die Bolghinn begännen im Jahre 685 mit dem Bau eines Palastes in Tandor, kann sich demnach nur auf einen Ausbau ihres Herrschersitzes in Dhanndhcaer beziehen.
    Was war der Grund für das Aufbegehren der Bolghinn? Es ist zu vermuten, daß die gothorische Partei sie im 7. Jahrhundert mehr und mehr von der Teilhabe an der Königsmacht ausschloß.
    685 wurde für alle sichtbar der Grundstein für alle späteren Auseinandersetzungen der verschiedenen Machtgruppen gelegt; allgemein erlebt die thuathische Kultur seit der Gründung von Rhyallis im Jahre 630 einen ungeheuren Aufschwung, während die Gothori lediglich im Religiösen neue Wege beschreiten, indem sie den Glauben an den einen Weltenschöpfer verbreiten. Die Nemhedhinn gründen 690 Dinas Forcy und beleben 710 die Siedlung Etolia neu, beides unter tätiger Mithilfe eines gothorischen Ritterbundes, den Agnes in Moiné mit neuen Aufgaben betraute, um seinen Einfluß im Herzen Clanthons zu beschneiden. Die Forschung über diesen und andere Ritterbünde ist jedoch noch nicht abgeschlossen, so daß ich auf weitere Ausführungen zu diesem Gegenstand vorerst verzichten möchte.
    Agnes' Enkel Ulrich, genannt "das Kind" gelingt es nicht, die Bolghinn zu bremsen. Die wachsende Schwächung seiner Sippe wird erkennbar in seinem Urenkel Wilhelm von Tandor, der 759 nach zweijähriger Regierungszeit abgesetzt wird - wegen Unfähigkeit, wie es heißt, doch es läßt sich leicht herauslesen, daß Wilhelm schlicht und einfach schwachsinnig war. Seine Schwester Joana I. kann 18 Jahre regieren, doch ihr Einflußbereich schwindet zusehends: der Nor Clanthons gerät immer mehr unter den Einfluß der Bolghinnfürsten, das Land leidet unter zahlreichen Fehden - nur in Moiné herrscht Frieden - und die Gothorisippen haben echte Macht fast nur noch in Sambur, während sie Tandor und alle Wege dorthin nur noch mit Waffengewalt offenhalten können.
    Joana stirbt 777 kinderlos, Wilhelms Sohn Gero wird auf den Thron gesetzt, doch er ist allen Quellen zufolge ein ebenso einfältiger Geist wie sein Vater. Und doch regiert er 21 Jahre lang ein Reich, das als solches kaum noch erkennbar ist. Es muß als gegeben hingenommen werden, daß eine Macht im Hintergrund Geros Taten lenkte.

Der geheimnisvolle Lenker kann nicht verhindern, daß die Bolghinn ab 780 mit dem Angriff auf Tir Laighainn beginnen. Tal um Tal fällt ihnen zu, bald sind alle wichtigen Pässe in ihrer Hand, die sie jedoch stets stark bemannt halten müssen, weil die gothorische Bevölkerung und die Laighinn des Hochgebirges die Bevormundung durch die Fremden aus dem Nor mit Aufruhr beantworten - hier ist die durch den harten Alltag beförderte Einheit der Völker noch intakt. Trotzdem können die Bolghinn dieses Werk im Jahre 789 abschließen; ihr Herrscher trägt nun den Titel "Hochkönig von Bolghainn, Cladhainn und Laighainn".
    Dieser Krieg hat Clanthon zerrüttet. Die Nemhedhinn und die Gothori in Moiné setzen der Bedrohung durch die Bolghinn im selben Jahr eine eigene Reichsgründung mit eigener Krone entgegen. Sie setzen einen "König von Moiné" auf den neuen Thron. Süd-Clanthon, Sambur, bleibt umstritten, vorwiegend jedoch in gothorischer Hand, doch auch viele Laighinn-Sippen können hier unbehelligt leben. In Sambur wird die clanthonische Königsliste weitergeführt.

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Das Jahr 798

Gero stirbt im Jahre 798; mit ihm erlischt die Reihe von Martells Nachfahren in direkter Linie. Sofort nach seinem Tod beansprucht ein Mann den Thron, der von niemandem für Geros Sohn gehalten wird, obwohl er eben dies zu sein vorgibt: er ist von scharfem Verstand, es fehlt ihm jegliche Ähnlichkeit mit Martells Nachfahren und es wird gemunkelt, er habe zauberische Kräfte. Sein Name ist Henoch, das Volk gibt ihm den Beinamen "der Dunkle".
    Henoch hat keinen Erfolg und flieht nach Sambur. Wenige Tage nach Geros Tod rücken die Bolghinn in Tandor ein und nehmen es kampflos. Sie rufen das Reich Clanthon neu aus und verkünden: "Hauptstadt bleibt Tandor." Eine Spitzfindigkeit: in jedem anderen Fall hätten sie den Purpurthron in Dhanndhcaer belassen, um das gegnerische Tandor nicht aufzuwerten, doch hier ging es darum, einen Machtanspruch zu rechtfertigen, nicht als Eroberer aufzutreten, sondern als rechtmäßige Erben.

Nach Ansicht der Bolghinn hat Clanthon Mitte des 7. Jahrhunderts aufgehört zu existieren, weil die Völker, die gemeinsam den Mythanenschwur geleistet haben, nicht zu gleichen Teilen an der Macht beteiligt waren. Der lange Krieg der Bolghinn soll also kein anderes Ziel gehabt haben als das Reich neu zu einen. Dazu war es ihrer Meinung nach nötig, die alten Machtverhältnisse gründlich zu beseitigen. Geheimnis ihres Erfolges war die überlegene Kampfkraft ihrer schweren Reiterei, die sie jedoch nicht alleine erfinden konnten, wie sie heute noch vorgeben. Die dazu nötige Reitkultur besaßen damals schon auch die Pferdezüchter der südlichen Ebenen Agenirons. Zudem bedurfte es großer Fortschritte in der Schmiedekunst, und darin waren die gothorischen Schmiede der Berge jedem anderen Volk Agenirons im mindesten ebenbürtig, während in Tir Thuatha von den Bolghinn lange gesagt wurde, daß sie sich lediglich auf die Herstellung steinerner Waffen verstünden. Zusammen aber ergaben Reit- und Schmiedekunst eine Waffe, die lange Zeit als unschlagbar galt.

Die Überlieferungen sind nicht genau genug, um zu belegen, welche Bolghinnfürsten in die Königsliste des zweiten Clanthon einzutragen sind. Sicher ist nur, daß ihre Linie in gerader Folge mindestens bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts zurückreicht und bis 944 währt, als die Königin, die von den Gothori Magdalene genannt wurde, stirbt.
    Es ist möglich, daß sie, die von 913 an regierte, den Wunsch hegte, die Uneinigkeit der Völker zu beenden: In den norestlichen Eiswüsten verschlossen sich die Dannanain weiter dem Ruf nach Einheit, die estlichen Gothori zerfleischten sich in Bruderkämpfen und verweigerten sich ebenso der Reichseinheit, Moiné gewann zusehends an Selbstbewußtsein, doch der schlimmste Unruheherd blieb Sambur, wo seit den Tagen des geheimnisvollen Henoch eine Gothori-Sippe regierte und Anspruch auf Clanthons Krone erhob, die vorgab, die Linie von Martells Nachfahren fortzuführen. Die Verwandtschaft dieser Edlen mit Martells Sippe kann nur entfernt, ihr Thronanspruch also kaum zu rechtfertigen gewesen sein, anders ist ihr mangelnder Widerstand gegen Henochs versuchte Machtergreifung nicht zu erklären. Vielmehr ließen sie sich von ihm bis zum Jahre 810 regieren. Angeblich ging er auf eine Reise und kehrte nie zurück. Sein weiteres Schicksal erschließt sich nur aus Legenden, sowie den Überlieferungen der Flüchtlinge der Südlichen Welten, die besagen, jemand dieses Namens und mit dieser Vergangenheit habe später ihr Inselreich als König regiert. Da ich bis heute keine Beweise für diese Überlieferungen gefunden habe, werde ich darauf verzichten, mehr zu Henoch zu sagen.
    Erst 812 setzte Sambur die Königsliste mit Joana II., angeblich eine Tochter Henochs, obwohl die Quellen keine Mutter nennen, fort. Das alte Recht läßt auch zu, jemanden an Kindes Statt anzunehmen, um die Thronfolge zu wahren. Da der Anspruch dieser Sippe auf Martells Nachfolge ohnehin auf äußerst schwachen Füßen stand, war dieser Vorgang eher gleichbedeutend mit der Begründung einer neuen Herrscherlinie.
    Die genannte Magdalene hatte es mit genau diesen Aufrührern zu tun. In einem mutigen Schritt nahm sie einen Nachfahren Joanas II., der sich später Karl II. nannte, einen Gothori aus Sambur also, zum Gemahl. Ihre Hoffnung, das Reich dadurch einen und befrieden zu können, ging jedoch nur teilweise auf. Das Schicksal ihrer Nachkommen wurde bereits am Anfang dieser Betrachtung dargelegt.
    Der Wunsch der Königin ging nicht in Erfüllung, das Volk lehnte die neue Herrschaft ab - vielleicht auch wegen der halbmythanischen Magier, die wieder Zutritt bei Hofe hatten - und bejubelte die Machtergreifung Dyffedds.
    In seiner Regierungszeit erlangte Clanthon, das auf Dyffedds Befehl Tir Thuatha genannt wurde, mehr Macht, als es je zuvor besessen hatte: neben den Kernprovinzen herrschte dieser König uneingeschränkt über Sambur und eroberte Moiné. Das 951 gegründete, aber schwach gebliebene Eisatnahp war im mindesten bündnis-, wenn nicht gar tributpflichtig. Auch das Verhältnis zu Illiyon wird das eines Starken zu einem Schwachen gewesen sein - zu gründlich war dieses Land durch die Mythanenherrschaft und die langen Kriege zerstört worden. Einzig das unwirtliche Tir Dannanain, das unter Maithachs Herrschaft seit dem Jahre 950 als Reich von Dwyllugnach geeint dastand, blieb unabhängig von Dyffedds Clanthon.
    Möllbarth Bruidhnea verspielte alles, was Dyffedd dazugewonnen hatte, er verliert Moiné und danach das ganze Clanthon.

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Flucht und Vertreibung

Im Jahre 1021 beginnt Clanthons Weg in die Finsternis. Möllbarth zeigt sich sowohl ungeschickt in der Wahl seiner Gegner und Verbündeten - er gibt der Eitelkeit den Vorzug vor der Verwandtschaft und stellt sich gegen den Wolf -, als auch minder fähig als Feldherr, und geht aus dem Falkenkrieg als Geschlagener hervor. Er darf nur dank der Gnade der huascischen Sieger, denen es unmöglich erscheint, das Reich in so kurzer Zeit zu übernehmen, als "Protektor von Hua-Clanthon" bis 1032 weiter regieren.
    Seit 1023 kommt es immer wieder zu Flüchtlingswellen zweierlei Natur. Zum einen fliehen geschundene Gothori und Thuatha vor Möllbarths nun zügellosem Regiment in weniger gefährdete Gebiete Agenirons. Zum anderen organisiert Möllbarths Gefolge unter dem Erzherzog Berlan selbst die Auswanderung ganzer Gothori-Sippen: sie stechen in See und versuchen ihr Glück in so weiter Ferne, daß man bis nach der Finsternis nichts mehr von ihnen hört.

Der Tarantelkrieg im Jahre 1032 bringt Wali und Wolsi über Ageniron, mit im Bunde die Edlen von Moiné. Möllbarth verliert eine Schlacht nach der anderen, sein Gefolge schmilzt dahin, die Flucht der Gothori über das Meer geht weiter, die Wali bleiben als Herrscher im Land.
    Im Jahr darauf landen die seefahrenden Longoten an Agenirons Küsten und übernehmen die Herrschaft über einen großen Teil des Landes. Herrscherin der Schwarzhäutigen ist die Weiße Königin Eleanor, deren Verwandtschaft mit den Agenirern nicht zu übersehen ist. In der Tat wird behauptet, sie sei die im Jahre 1013 verschwundene Gwynneida, die als im Jahre 1000 geborene Tochter von Dyffedds Schwester Nuadha Thronfolgerin gewesen wäre. Da sie von den Thuatha nicht angezweifelt wird, gelingt es ihr, das Reich zu übernehmen und nennt es Tir Thualonga. Ihren Sitz nimmt sie in Dhanndhcaer, was als folgerichtiges Bekenntnis zur thuathischen Seite gewertet werden muß.

Die Zeit bis zu den Kämpfen im Jahre 1045 ist von Wiederaufbau geprägt: Städte werden gegründet, Land neu verteilt. Der Stand der Gothori auf Ageniron wird immer schwerer. Seit dem Falkenkrieg ziehen vor allem die Möllbarth-Gegner unter ihnen mehr und mehr in die hohen Gebirge. Ihre Verwandten in Eisatnahp stehen geschwächt da, nur in Sambur halten sie sich weitgehend unbehelligt. Dort wiederum machen sie den Thuatha das Leben schwer, vor allem den restlichen Laighinn, die nach dem Falkenkrieg gen Nor ziehen.

1045 wird Möllbarth ein letztes Mal und nun endgültig geschlagen. Die Thuatha festigen gemeinsam mit den Longoten ihre Vormachtstellung auf Ageniron. Gleichzeitig wird an zwei Stellen mythanischer Einfluß sichtbar: zum einen tritt ein angeblicher Sohn der Weißen Königin mit Namen Simhahama Lao auf, dessen Vater ein Mythane gewesen sein soll, und greift nach der Macht über die Longoten. Zum anderen gelingt es Möllbarth und seinem Erzherzog Berlan mit mythanischer Hilfe, in den Ebenen von Sambur das zauberische "Tor der Schwerter" (gemeint sind Yetalf und Balmung) zu öffnen, durch das sie eilig eine große Menge Volk ins Ungewisse treiben, darunter auch eine nicht unbeträchtliche Zahl Bolghinn, Cladhinn und Est-Laighinn, woraus sich der Verdacht ergibt, daß viele diese sonderbare Flucht eher unfreiwillig antraten.
    Möllbarth selbst verschwindet im selben Jahr mit 60 Edlen in einem von den ihn unterstützenden Halbmythanen geschaffenen Glasberg, um schlafend die Zeit zu überdauern.

Der gothorische Anteil Clanthons ist bis auf Reste vom Angesicht Agenirons getilgt. Der thuathische Anteil wird nun von Fremden bestimmt, den Longoten, deren Herrschaft die Thuatha erst sehr viel später abschütteln können.

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Möllbarth und die Mythanen

Eine Frage läßt die Kundigen gleich welcher Herkunft, die Clanthons Vergangenheit betrachten, nicht los: Was macht Möllbarth wichtig für die Mythanen? Betrachtet man seinen Weg an die Macht, stellt man fest, daß er ohne einige mächtige Gothori-Sippen nahezu machtlos war. Die kurze Zeit seiner Herrschaft über mußte er sich der Halbmythanen bei Hofe bedienen, um die Dyffedd-Anhänger im Zaum zu halten. Dieselben Zauberer ließen ihn jedoch im Feld jeden Unsinn befehlen, den er wollte - es ist bei allen unbestritten, daß Möllbarth als Befehlshaber nichts taugte. Wieder und wieder fand er Unterstützung, obwohl er gleich in seinem ersten großen Krieg alle möglichen Fehler machte.
    Die mythanischen Helfer ließen ihn zwar auf dem Schlachtfeld gewähren, außerhalb davon gingen sie ungewöhnlich zielstrebig vor: eine große Zahl Gothori und Thuatha wurde fortgeschickt, über das Meer oder durch die Zeit, um nach der Finsternis bereit zu stehen, Schlachten zu schlagen in Möllbarths Namen. Des Königs Schlaf war genauso mythanisch wie der zauberische Ruf, der die Nachfahren seiner Edlen zusammenrief, als er erwachte, mythanisch auch das "Tor der Schwerter", das die unwilligen Flüchtlinge über die Zeiten in die Gegenwart entließ, dem Kriege entflohen, um in den Krieg zu ziehen, mythanisch belastet auch die übrige Geschichte bis heute.

Das Wirken der mythanischen Macht in Clanthon wird bis heute begleitet von Clanthons Schwäche; die übrigen Völker, die einstmals Clanthon ausmachten, konnten dieses Joch abschütteln und überleben dank eigener Macht, von eigenen Gnaden. Der sagenhafte König Möllbarth ist, entblößt man ihn von aller mythanischen Hilfe, ein schwacher Mann, der niemals auch nur einen Moment der Stärke zeigen konnte, bis heute nicht, da er schweigt und stets andere in seinem Namen herrschen. Ihn zu stützen war nicht das Ziel des mythanischen Wirkens.

Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: Vielleicht wirkten die Mythanen mit am Einbruch der Finsternis, ob gewollt oder ungewollt werden wir nie erfahren, für Ageniron jedoch bedeutete ihr Sinnen Uneinigkeit, Verrat, Bruderzwist, Krieg und Niederlage - bis heute, da Ageniron einen brüchigen Frieden hält. Diesen kleinen Teil Magiras auszuschalten war ihr Ziel, und so gibt es immer noch nicht das starke, einige Ageniron, das es hätte geben können, wenn das Wirken Martells und Magdalenes und Dyffedds fortgeführt worden wäre.
    Die ganze Traurigkeit dieses Hergangs wird sichtbar am Namen von Möllbarth Bruidhnea: Der "dem Lande verbundene" warf es weg, der "Weise Nachfolger" entpuppte sich als Tor, der schweigen muß, weil seine Meister nicht mehr für ihn sprechen.

Mit dem Wunsch, daß Thuatha und Clanthonier über ihn hinweg wieder zusammen kommen mögen, beschließe ich diese Betrachtung. Alle Schlußfolgerungen hierin sind mein Werk und verdienen es, jederzeit neu bedacht zu werden. Im besten Sinne.


 
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