Zurueck zum Herzen

Bekenntnis

Warum die Alpen nach Magira gehören
 
 
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Ich liebe Berge. Ich sehe zerklüftete Kalkgipfel, schroffe Dolomitkegel oder vergletscherte Eisriesen und verwandle mich in einen sabbernden Romantiker. Ich bewundere die Findigkeit, mit der Menschen in den Bergen ihr Auskommen suchen. Ich staune, wie sie angesichts der Naturgewalten und der Bedrängnis durch menschliche Machtentfaltung an ihrem Lebensraum festhalten.

Geschichte ist meine Leidenschaft. Vergangenes bietet Einsichten, die Gegenwärtiges oft verständlicher machen. Menschen machen Fehler, von immer gleicher Art, wie der Blick in die Vergangenheit offenbart. Die Geschichte der eigenen Herkunft ist spannend, der Blick auf fremde Perspektiven erhellend wie ein australischer Globus, der den Südpol oben hat.

Die Geschichte der Menschen in den Bergen Mitteleuropas: das lenkt den Blick auf die Alpen. Etrusker und Ligurer, keltische Räter und Helvetier, Hallstatt und La Tène, römische Legionen und Siedler von Süden, Ostgoten, Langobarden und Slawen von Osten, Alemannen, Baiuwaren und Franken von Norden und Westen - Kommen, Gehen, und Bleiben.
    Die Gebliebenen werden Rätoromanen, deren Kultur am Leben erhalten wird (beredtes Zeugnis: romanisch moderiertes Techno-Radio im Engadin), oder deutschsprachig wie die bairischstämmigen Tiroler, die so selbstbewußt werden, daß ihre Schützen sich ohne Rückhalt des Kaisers zwar siegreich aber erfolglos gegen Franzosen und Baiern auflehnen, oder wanderlustig wie die alemannischen Walser, die Tal um Tal über die Höhen besiedeln, bis hinab ins Wallis, um dann Tal um Tal zurück zu wandern, über Rhône, Rhein und Landquart, durch Montafon, Laterns und Großes Walsertal bis ins Kleine Walsertal - eine breite Spur erfolgreichen Bauern- und Händlerlebens hinter sich herziehend.
    Tribut an dieses Leben zahlen sie alle; manchmal ist das Land wichtiger als die Verwandtschaft mit den Herrschenden, manchmal werden sie selbst zu Herrschenden: im keltischen Noricum, in der Innerschweiz und Tirol, oder in der Bregenzerwälder Bauernrepublik. Die Schweizer trotzten Habsburg und den Bourbonen, die Tiroler erstritten vom Kaiser das Recht, nur noch für sich selbst zu kämpfen. Und die Wälderbauern kapitulierten erst vor dem Absolutismus.
    Alle Unabhängigkeit ist dahin, und gäbe es nicht Romantiker wie mich, läge das Land des Grauen Bundes seit Generationen menschenleer - ein lebensfeindliches Idyll, doch der englische upper-class-Tourismus und der Erfinder des Skiliftes waren dagegen.
    Berge und ihre Menschen: Isolation durch natürliche Abgeschiedenheit hier und hektische Betriebsamkeit jahrtausendealter Verkehrswege dort. Stoff für viele Geschichten.

Die Erfinder Magiras haben ihre Welt zerpflückt und sie mit ähnlichem Gesicht wieder zusammengesetzt. Sie haben Europa zerknüllt, geglättet und das dann Ageniron genannt - in seiner Mitte habe ich Berge und Anklänge an irdische Völker wiedergefunden: "keltische" Thuatha, "germanische" Gothori - sogar "alemannische" Sueben - samt Erinnerungen an die Kaisermacht, die durch den Verkehr zwischen deutschem Norden und italienischem Süden die Kultur im Gebirge befruchtete, antike Hochkulturen, die ihre Mythanisch und Wolsisch genannten Sprachen mitbrachten, für einen Europäer völlig Fremde wie Huas und Longoten, und andere Eroberer. Alle mußten über die Berge.
    Auch auf Magira gibt es "alte" Namen. Einer, Calan, Provinz Clanthons, klang gut in meinen Ohren: Berge, und Völker in Bewegung, das Gebirge ein Bollwerk in der Zeit, Markstein in der Landschaft, Hort des Alten und Zuflucht für alle, die überrollt werden.
    Das Land existierte nur als Name auf einer Karte. Clanthon war durch Kriege weggewischt, schlimmer: es war nie vollständig erschaffen worden. Und mußte also mühsam neu erschaffen werden. Calan war nun Teil von Tir Laighainn und konnte wohl Überlebende aller Zeiten beherbergen.
    Ich machte Einhörner und Thuatha mit meinem magiranischen Südtirol vertraut: eine thuathische Region mit Anteilen clanthonischer Bevölkerung; Zweisprachigkeit, Übergreifendes im Nebeneinande, nicht zu vergessen die Reste weiterer Völker.
    Zugleich nahm ich teil an der Diskussion der clanthonischen Kultur, die erweiterungsbedürftig erschien. Menschen verschiedenster Herkunft drängen sich in Clanthon, solche, denen die Finsternis 1000 Jahre Abstand zum letzten clanthonischen Reich bedeutet, und solche, die durch ein magisches Tor aus jener Zeit ins magiranische Heute geflohen sind.
    Und dann gibt es Dinge wie Calan, ein Land, in dem clanthonische Menschen versuchten, die Erinnerung an das Vergangene zu bewahren. Calan mußte sich unterscheiden, sowohl vom Clanthon der Flüchtlinge aus der Vergangenheit als auch vom Clanthon der aus der Fremde Zurückgekehrten. Calan mußte also ein drittes Bild von Clanthon sein, ein Bild am alten Platz.

Ich bin seit Ende 1987 Follower im Einhornclan; 2005 wechselte ich zum Volk von Tir Thuatha. Seit einigen Jahren bin ich auf der Spur dessen, das mich wirklich fasziniert. Ich bin kein Spieler, ich schreibe Geschichten.
    Calan wurde in der magiranischen Geschichte und der des Spiels von vielen Dingen berührt, es ist ein Land der Hindernisse und des Verkehrs, Land der Riesen, Drachen und Zwerge, wo Angehörige von mindestens sechs Völkern leben, wo Kriege immer dann zum Untergang der agenirischen Reiche führen, wenn Ageniron in Zwietracht lebt. Calan ist Schnittpunkt vieler Interessen; die Aufgabe ist, das Land im Verein mit anderen zu gestalten, mit all jenen Agenirern, die schon einmal den Fuß darauf gesetzt haben.

Miteinander, nicht nebeneinander.

Manfred Müller


 
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