Zurueck zum Herzen Der Tag der Riesen
Eine Legende aus Calan

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Im Morgengrauen stieg Frau Hitt ins Tal hinab. Da rumpelten kleine Mandln im Grund.
"Heda! Wer kratzt mich am Fuß?" schimpfte Frau Hitt.
"Ach, geh weiter, Ortela! Wir schaben dir nur den Dreck von den Sohlen." Das riefen die Zwerge und hatten die Hände voll Edelstein.

Am Morgen saß Frau Hitt im Wald und labte sich. Da kamen Menschen vorbei und zuckten ängstlich zurück, als sie rief:
"Heda! Wollt ihr meine Speise sein?"
Und die Menschen bauten ihr einen steinernen Tisch und darauf legten sie Speise für Frau Hitt, solange sie dort lebten.

Am Mittag besuchte Frau Hitt ihren Sohn, den stolzen König. Da sprach der König:
"Da sind Zauberer gekommen, Mutter, die wollten den Thron mir nehmen."
"Niemand kann den Thron dir nehmen, Sohn, denn du bist der Große Cebruu", sagte Frau Hitt.
"Ihre Macht endet zu meinen Füßen. Ich bin der König." Und er schüttelte seinen weißen Mantel, daß ein Schneebrett die Zauberer einholte und tötete.

Am Nachmittag besuchte Frau Hitt den Bruder des Königs, den breitschultrigen Kevedal. Da fiel dem ein Blutstropfen aus dem Auge.
"Was ist dir, Sohn?"
"Die Mandln haben mir am Auge gekratzt, um dem König der Menschen ein Geschenk zu machen, das gegen die Zauberer hilft", sagte der Kevedal.
"So töten wir sie alle!" tobte Frau Hitt, und kämmte sich Muren aus dem Haar.
"Er ist ein guter König und seinen Kampf nenne ich gut", widersprach der Kevedal.
"So hast du sie um keinen Preis gewähren lassen, Sohn. Aber einen Preis müssen sie zahlen!" Da schüttelte sich die Mutter aller Riesen voll Zorn, daß der Berg von den Schultern ihrer Söhne stürzte.

Am Abend besuchte Frau Hitt den kleinen Grampian, der am Rande der Schar lebte. Da klagte ihr Enkel Grampian:
"Sie kleiden sich in unser Eisen und trampeln auf mir herum, Großmutter!" So klagte Grampian bitter.
Da tröstete ihn Großmutter Hitt:
"Sei nicht traurig, Kind! So schüttelst du sie ab." Und da unterwies Frau Hitt ihren Enkel Grampian im Gebrauch der Glieder, daß die Menschen übereinander purzelten und ihre goldenen Zeichen verloren, die Adlern und Löwen nachgeäfft waren.

Als es Nacht wurde, legte sich Frau Hitt zur Ruhe, und gemeinsam mit dem Weißen Vater zählte sie ihre Nachkommen. Die Menschen aber schrien vor Furcht, denn diese Nacht währte tausend ihrer Jahre.

Am nächsten Morgen erwachte Frau Hitt. Als sie ins Tal hinabstieg, kratzten ihr die Mandln den Dreck von den Sohlen, doch auf ihrem Tisch lag keine Speise, die Zauberer waren verschwunden, und der gute König hatte seinen Kampf verloren.


 
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