Zurueck zum Herzen Die Voelker der Berge
über Riesen, Zwerge und Menschen

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Der Sage nach ist Calan das Land der Riesen. Die Ehrfürchtigen, aber auch die Wissenden unter den Menschen - gleich welcher Herkunft - messen dem eine große Bedeutung zu, denn eine alte Weisheit der Bergvölker enthält den Spruch: "Der Herr sagt: Gib mir! Der Berg aber sagt: Ich nehme!" Es mögen noch so viele Gelehrte den Menschen erklären, warum diese oder jene Naturerscheinung Unbill verursacht: die im Gebirge Verwurzelten sehen in allem das Wirken der wahren Herrscher.

In Calan liegt auch ein Reich der Zwerge, die ein Schwurvolk Clanthons sind. Die Heutigen haben wenig Wissen über sie, doch diejenigen, die auf alte Kunde hören und alte Eide nicht gering schätzen, können einiges darüber erzählen. Danach sind die Zwerge das Bindeglied der Menschen zum Land. Im Alltag spielen Zwerge kaum eine Rolle, doch es gibt Handel und Wandel mit ihnen, an festgelegten Orten, zu festgelegten Zeiten, mit solchen, die eine Übereinkunft mit ihnen getroffen haben.

In Namen, in heiligen Orten und in Anklängen einer Sprache, die Chaudawäsch genannt wird, tritt ein Volk zutage, das heute erkennbar kaum mehr vorkommt. Nur noch in den Nebeln der Geschichte lebt ein Bergvolk ohne Namen, das schon lange vor der Finsternis in den gothorischen und thuathischen Eroberern aufging - seine Nachkommen werden Chauda genannt. Das Chaudawäsch, in dem auch Reste der verlorenen Sprache fortleben, ist vor allem ein Gemisch aus laighinnschen und suebischen Dialekten, aus mythanischen, illyäischen und auch wolsischen Fragmenten, und wird nur noch in wenigen Gemeinden gesprochen, jedoch läßt sich für viele Namen der Orte (z.B. S-chengl, sprich: Sch-tchenelj, goth.: Tschengl), Flüsse (Intsch), Täler (Schnals) und vor allem Berge (Cebruu, Grampian, Kevedal, Ortela) eine Herkunft von dieser Mischsprache oder gar von der Sprache der sagenhaften Ureinwohner ableiten.

Die ersten Zuzügler in der Zeit vor der Erbauung von Kreos waren Hirten der Thuatha, oder zumindest solche, die den Thuatha ähnlicher als den Gothori waren, denn die Unterschiede können damals nicht groß gewesen sein. Belege sind Namen alter Siedlungen und Werke handwerklicher und künstlerischer Natur, die dort ihren Ursprung haben oder gefunden wurden. Es redet sich leicht von Thuatha oder Gothori, wenn altes Erbe begründet werden soll - die meisten dieser Zuordnungen stammen von Chronisten, die das Gefüge der agenirischen Völker von außen betrachten. Dabei wird oft übertrieben, was als Unterschied nur den Kenntnisreichen erkennbar ist.
Suebenperchte     Die weitere Besiedlung der Bergländer ging - nach dem Vorrücken der Kimburen von Est, die im heutigen Tir Laighainn die Stadt Ahnarab gründeten - von den Sueben aus. Reste von Namen und Chroniken deuten darauf hin, daß auch thuathische Sippen an ihrer Wanderung beteiligt waren. Betrachtet man die Bräuche dieses Stammes, der im gothorischsprachigen Calan als Ursprung betrachtet wird, ist zu vermuten, daß es sich bei den Sueben ursprünglich nur um Kriegsverbände der jungen, nicht verpflichteten Männer und Frauen von gothorischer und thuathischer Herkunft handelte, die Ruhm und Gewinn suchten. Daraus entstand wohl jener Verband, der später als eigener Stamm angesehen wurde.
    Anfangs wird von Eroberungen der Sueben im Hochland (heutiges Tir Cladhainn) berichtet. Später, als der Stamm sich gefestigt hatte, ist zu erfahren, daß die Sueben die Besiedelung des Gebirges in Angriff nahmen, eigentümlicherweise nicht auf den einfachen Wegen, sonden über unwegsame Pässe und Jöcher hinweg, denn die Talgründe waren oft schon von thuathischen Siedlern bevölkert. So fanden der Chronik nach Wegemeister des clanthonischen Königs im 8. Jahrhundert nach Kreos bereits suebische Siedler vor, als es ihnen endlich gelungen war, eine Straße vom Frühlingspfad durch die Wände der Schnalsklamm zu bahnen - diese lebten dort bereits seit fast 200 Jahren, ohne daß davon Kunde nach außen gedrungen wäre.
    Die Sueben begründeten erst im Gebirge ein loses Stammesherzogtum. Die Grenzen dieses Einflußgebietes waren, außer im Süd und Mir, selten klar erkennbar. Die Gründung Clanthons beschränkte sie auf ein Gebiet, aus dem Calan und das später auch kimburisch geprägte Lambar hervorgingen.
    Noch vor der Reichsgründung erfolgte die Zuwanderung der thuathischen Cladhinn und Laighinn. Erstere nahmen das yddliche Hochland in Besitz, letztere hielten die Pässe, obwohl sie sich hauptsächlich im Tiefland ausbreiteten. Es zeichnete sich eine Teilung in der Höhe ab, wobei die Sueben vor allem die Hochlagen behielten und die Thuatha in den Tälern den Ton angaben.

Im kleineren Calan der heutigen Tage leben zur Hälfte thuathische Laighinn neben einigen Cladhinn, daneben vier Zehntel Gothorischsprachige (vor allem Nachfahren der Sueben und Kimburen, aber auch solche von Flüchtlingen aus allen Himmelsrichtungen, die in den Kriegen vor der Finsternis eine Zuflucht suchten); die übrigen sind die Chauda genannten Reste der ansässigen Mischbevölkerung, und Siedler, die aus der Zeit erainnischer und albyonischer Herrschaft am Frühlingspfad verblieben.
    Der größte Teil der gothorischsprachigen Minderheit in Tir Thuatha lebt in den Tälern am Frühlingspfad. Der Umstand, daß heutzutage oft von einer clanthonischen Minderheit gesprochen wird, hat damit zu tun, daß die vorherrschenden Sippen ebenjener Minderheit sich als Hüter des Erbes von Clanthon bezeichnen, aber auch mit der jungen Nachbarschaft zum neuen Clanthon, das Calan in Sprache und vielen Dingen des Lebens ähnlich ist.

Die Hoheit über den Frühlingspfad haben wechselnde Herrschaften ausgeübt. Seit dem Ende Clanthons kamen und gingen die Eroberer. Betrachtet man das heutige Ageniron, sind als beherrschend über diese Region Erainn (ausgehend vom festen Ort Indairne im Wes, thuath. Yndairne, goth. Indarn), kurzzeitig Albyon, und vor allem Tir Thuatha zu nennen, das den Frühlingspfad Tir Laighainn zurechnet.
    Die Verhältnisse in der Finsternis sind schwer aufzuklären (die Gelehrten streiten sich weiter über die Dauer dieser Zeit), doch es ist erkennbar, daß sich die gothorischsprachigen Einwohner Calans um die ihnen verwandte Herrschaft scharten; dabei gab es immer wieder aufflammende Kämpfe um die Vorherrschaft, die mit geschichtlichen Gegebenheiten begründet wurden. Seit den letzten Jahrzehnten der Finsternis gilt die Zuneigung der gothorischsprachigen Bevölkerung dem Haus Calan, eigentlich Himmelswehr (thuath. Malainbrys) - das diese Würde samt Namen erst einer anderen Sippe abjagen mußte, nämlich dem Haus Taufers -, doch die Anerkennung durch die thuathischen Herrscher ist seit altersher wechselhaft.
    Dabei weisen die verwandten Völker in Tir Laighainn die stärksten Ähnlichkeiten auf. So zeigt das Rittertum der Laighinn ähnliche Züge und Ausprägungen wie das in Calan, das sich auf Überlieferungen des untergegangenen Clanthon beruft. Auch die sonstigen Lebensformen in Volk und Adel sind bei beiden Gruppen kaum unterscheidbar.


 
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